Nicht der Anfang vom Ende

Hallo ihr lieben Leute...ganz schön schwierig so einfach anzufangen Aber mich kennt ja eh niemand, also schreib ich mal einfach drauf los... Dies ist für mich eher ein Tagebuch und ein bisschen Therapie, da mein Leben im Moment in einer sonnenlosen Endlosschleife hängt.Ein Papa ist eigentlich einer der wichtigsten Menschen im Leben eines jeden, dieses starke Vorbild, welches man niemals enttäuschen will, den man nie traurig sehen möchte. Er ist der Mittelpunkt im Leben und jederzeit bereit für einen einzustehen... Er ist so vieles, so gewaltig... 17 Jahre hatte ich den tollsten Papa der Welt, er hat mir die Welt erklärt, mich vor ihr beschützt und doch leicht reingeschupst.Wir haben zusammen gebacken, haben Ausflüge gemacht... alles was man halt so zusammen machen könnte haben wir getan. Er probierte mir sogar bei Schulaufgaben zu helfen. Ja, er probierte es ^^ aber da ich blond bin (gefärbt, aber blond) und dann immer ziemlich aufgeregt war, kam aus meinem Mund nie die richtige Antwort... ihr müsst dazu wissen, mein Papa war Lehrer Egal, dass wird alles ziemlich durcheinander seh ich grad ^^Also worum es eigentlich geht: mein Papa hat seit 6 Jahren Demenz...(wahrscheinlich)Und das haut einfach alles um... die ganz Welt wird auf den Kopf gestellt, mein Lachen verwandelt sich regelmäßig in Tränen. Tränen, die zu lange heimlich unterdrückt wurden, unters Bett geschoben wurden. In den letzten drei Tagen wollten sie mir wohl zeigen, dass sie sauer waren, so lange unterm Bett gewesen zu sein. Ich kann sie ja ein bisschen verstehen, aber sie könnten auch mal dran denken, dass das vor anderen Leuten ziemlich peinlich ist diese Egoisten ^^Angefangen hat das alles ganz langsam... erst hieß es Burnout, diese neue Krankheit, bei der mein Psychologie- Lehrer meinte, das ist eine frei erfundene Diagnose. Depression der hart Arbeitenden... ok, dazu gehörte mein Paps. Bis in die Nacht saß er und kontrollierte Arbeiten, bereitete Unterrichtsstunden vor... zu laut durfte man da nicht sein.Jedenfalls ging er dann zur Reha... es sah gut aus, er zeigte uns ausgearbeitete Plakate, die den Zeitaufwand reduzieren und sein Leben entspannter machen sollten, er nahm Antidepressiver und ging zur Psychotherapie. Dann kam das Hamburger Modell. Es scheiterte. Dann kam die zweite Reha, jede menge Untersuchungen ohne Ergebnis. dann der erneute Versuch des Hamburger Modells. Er wurde zum Rektor gerufen und gefragt, ob er Drogen nehme... die Schüler meinten er würde sich komisch Verhalten... Nach einer gefühlt endlosen Zeit hieß es nun Frührentner... Danach hatte er keine Lust mehr auf Ärzte und meine Mom mag die eh nicht. Ich kann mich nicht mehr richtig dran erinnern wie das damals alles lief, ich war frisch ausgezogen und habe mit den Hormonen einer 17 jährigen mein neues Leben genossen, meine Ausbildung durchgezogen.Das ist auch mein größtes Problem... mein Gedächtnis... ich habe das Gefühl, ich weiß nicht mehr wirklich wie er früher so richtig war. Schöne Situationen nur noch verschwommen...Die restlichen 6 Jahre aufzuschreiben würde den Rahmen sprengen... Also schreibe ich, wie ich im Jetzt lebe.Am Samstag habe ich ihn nun auf der geschlossenen Abteilung der Psychiatrie besucht... Es ist gut, dass er erstmal von zu Hause weg ist, da meine Mom sich alleine um ihn gekümmert hat und am Ende ihrer Kräfte angekommen ist. Aber eine Psychiatrie kam mir sehr suspekt vor... aber plötzlich meinten alle, er wäre halt ein Psycho... alleine diese Aussage lies mein Herz wieder und wieder brechen... zersplittert bis aufs kleinste Teil.Zuerst wurden Untersuchungen gemacht, CT/ Blut... alles mal durch. Meine Vermutungen wurden bestätigt: das Gehirn ist geschrumpft, zu viel Wasser im Kopf... Verkalkungen... kein Psycho...Aber das macht es nicht besser... Vor dem Besuch hatte ich unheimlich viel Angst... mein Magen rebellierte und meine Gedanken rasten... was erwartet mich, wie finde ich ihn vor, wird diese Wut, dieses Misstrauen, dass sich in letzter Zeit aus seinen Augen spiegelte mein Leben zerstören. Würde er verstehen, dass er danach nicht mit nach Hause darf? :/Ich bat meinen großen Bruder mich zu begleiten. Er sprach mir gut zu und reichte mir seine Hand, als wir in das Gebäude.Er saß im "Aufenthaltsraum". Er saß da und starrte die Wand an, ich sagte ihm Hallo und berührte seine Schulter... er wusste nicht warum ich da bin, sein Gesichtsausdruck zeigte wahnsinnige Verwirrung. Bei meinem Bruder das selbe. Wir sagtem ihn, wir sind zu Besuch und freuen uns ihn zu sehen. Er schaute uns weiter fragen an, ich konnte das nicht aushalten, also probierte ich mit einem anderen Herrn ins Gespräch zu kommen. Dies viel mir so leicht... es war ganz normal, ich sah ihn als Patienten. Aber mit meinen Papa wars es nicht so leicht, niemals könnte ich ihn nur als Patienten sehen. ich fragte ihn, ob wir in sein Zimmer gehen sollen, ich habe ihm noch ein paar Sachen mitgebracht. Aber er verstand nicht, wusste nicht wo sein Zimmer ist. Der nette Herr zeigt es uns. Dort angekommen setzten wir uns alle und ich gab ihm ein Kissen, dass er zu Hause immer hatte, Mom meinte, dass gibt ihm ein Heimatsgefühl. Er wusste nicht, was er damit machen soll, also legte ich es auf sein Bett. Ein Foto von meiner Jugendweihe, mit all seinen Kindern, stellte ich auf den Beistelltisch. Ich verteilte an uns Rosinen. Und so saßen wir da und wussten nicht recht, was wir sagen sollten. Mein Bruder holte uns einen Tee, zum Glück hab ich noch etwas Wasser reingetan, weil mein Paps ihn in drei Zügen leerte(hätte ich kein Wasser reingetan, hätte er ihn trotzdem so schnell geleert, da er kein Gefühl mehr für heiß und kalt hat). Irgendwann stand er auf und fasste sich an sein Gesäß und schaute mich verständnislos an... er klopfte rauf und an die Leiste... ich ahnte was los war und fragte, ob er eine Windel bekommen hat. Er nickte... es war schrecklich ihm in die Augen zu sehen. Er zog seine Hose runter, auch die Unterhose. Er wollte die Windel öffnen. Erst sagte ich, lass um Papi... aber ich fühlte mich dabei so mies, also half ich ihm. Diesen Anblick werde ich nie vergessen. Wir schmissen dieses doofe Ding in den Mülleimer. Wir gingen zurück in den Aufenthaltsraum, setzten uns an den Tisch und tranken noch einen Tee. Wir beobachteten die anderen... eine tanzte, eine andere ging durch den Raum und zeichnete mit den Fingern die Linien der Wände und Heizungen nach, immer wieder. Ein Junge in meinem alter Unterhielt sich mit sich selbst. Mein Papa schaute ihn an und auf seinem Gesicht sah man Verwunderung... mein Bruder, dieser tolle Mensch, meinte nur: ach, diese Headsets ^^ Der schönste Moment war aber, als mein Bruder aus dem Fenster sah und Schuhe auf dem Dach eines tiefer liegendem Gebäude sah, ich holte meinen Papa und wir zeigtem es ihm... er lachte =) so ein richtig schönes Lachen, was bis zu den Augen ging. Das tat so richtig gut.Dann haben wir noch ein Standfahrrad gesehen und da fühlte ich mich endlich nützlich. ich bin Physiotherapeutin Also habe ich ihn hingelockt und er stieg auf und fing an zu treten... und hörte nicht mehr auf. Abschied. Der Abschied ging recht schnell. Erst verstand er nicht... aber zum Glück ist der nette Herr, den ich schon vorher erwähnt hatte, eingesprungen und hat ihn schnell angesprochen. Wir gingen schnell los. Ich konnte ihn nicht umarmen und ihm sagen, dass ich ihn lieb habe... ich musste weg, bevor er hinterher kam...Und so haben wir ihn wieder allein gelassen... diesen ehemals starken Mann, der das Universum für mich bedeutet.Nun allein gelassen von allen. Wenn ich darüber nachdenke, dass er dort keinen hat und überhaupt nicht versteht, was er da soll, das er nicht weg darf, nicht nach hause darf, dass zersplittert mich wieder und dann kommen diese verdammten Tränen wieder. Ich wäre so gerne einfach bei ihm... und nicht 500km weit weg. Würde ihm gerne Sicherheit und Liebe geben... ihn in rosarote Watte packen und vor der ganzen bösen Außenwelt beschützen... aber ich kann nicht das geben, was er mir 18 Jahre lang gegeben hat... und das schmerzt... Ok, für heute reicht es. Kann nur noch nass sehen ^^Das war Jjetzt ja auch ein riesen Meisterwerk aus unsortierten Abschnitten... Es tut mir leid, falls jemand dies bis zum Ende gelesen hat und jetzt hundemüde ist vom vielen Lesen. =) Nächstes mal wird es hundert pro kürzer und vllt kann ich irgendwann fehlerfrei und sortierter schreiben ^^ als Tochter eines ehemaligen Deutschlehrers... oh weier, dass dürfen wir keinem erzählen :P

16.11.15 21:25

Letzte Einträge: Was mein Verstand vor mir wusste..., Waddading Waddodong ^^, Wahre Worte in dieser Zeit

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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Verena / Website (16.11.15 20:57)
Normalerweise mach ich das ja nicht, einfach mal so die Blogs von anderen Leuten zu kommentieren! Aber dein Blog hat mich jetzt doch irgendwie berührt! Ich war einfach neugierig und habe mich durch ein paar durchgeklickt, aber bei deinem bin ich hängen geblieben und möchte ungern wieder gehen, ohne dir wenigstens noch ein paar nette Sätze dazulassen.
Und ich kann mir gut vorstellen, wie dir gerade zumute ist. Ich habe selber viele Probleme mit meinen Eltern und kann verstehen, welche Welt für einen zusammenbricht, wenn die Familie plötzlich aus der Bahn geworfen wird und man sich erst einmal komplett allein und ohnmächtig fühlt.
Ich wünsche dir ganz viel Kraft, mit der Situation irgendwie klar zu kommen und dass dein Blog dir dabei behilflich ist.Und auch wenn es schwer fällt: Aber du bist nicht allein!
Liebe Grüße aus Luxemburg!

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